Warum dieser Blog?

Meine Angestelltenkariere verlief sehr abwechslungsreich und relativ flach. Bei meinem letzten Arbeitgeber zudem auch noch sehr kurz, da ich das Delta zwischen dem, was mein Chef hören wollte und dem, was er hören sollte, nicht geschickt genug gemanged habe. Irgendwann kommt dann der Moment, an dem man sich sein Profil in Xing anschaut und alle wissen, dass man nicht mehr in dem Laden arbeitet, nur Xing weiß es noch nicht. Es gibt hier drei Strategien: (A) Einfach stehen lassen, dann glauben Headhunters, sie würden einem aus einer ungekündigten Stellung heraus abwerben. Das verbessert die eigene Verhandlungsposition, da man ja das Bleiben anscheinend als Alternative hat. Zur Gesichtswahrung trägt es natürlich nicht viel bei, denn alle wissen, dass man raus ist. Dennoch gehört es im Freundeskreis zur guten Etikette, Leute auf verjährte Jobtitel bei Xing nicht anzusprechen.  (B) Man schreibt so etwas rein wie „Erfahrener Manager im Bereich blablabla“ – oder in der demütigeren Variante einfach nur  “ … “. Dann weiß jeder, dass man zur Zeit keinen Job hat und einen sucht. Das ist die ehrlichste Variante und mobilisiert alle, die einen helfen wollen. Vor allem wissen dann Headhunters, dass das Wechselthema kein Thema ist. (C) Man schreibt „Berater“ rein, es machen sich ja schließlich viele Leute als Berater selbstständig. Und nur weil man noch keine Kunden hat, ist das ja noch keine Lüge. Und so hat man keine Lücke im Lebenslauf. Am Rande bemerkt:  heutzutage kann ein (ggf. erfundener) Burnout durchaus auch als CV-Lückenfüller herhalten, er ist mittlerweile salonfähig und der zukünftige Arbeitgeber weiß dann wenigstens, dass man engagiert ist.

Mich haben selbst zu meinen Glanzzeiten keine Headhunters angerufen. Eine Xing Strategie um Headhunters herum aufzubauen, schien mir vollkommen absurd. Ich habe mich für Strategie (C) entschieden und änderte mit Ambitionen mein Profil zu „Consultant“.  Das fand ich irgendwie besser als „Berater“, denn so konnte ich in Linkedin und Xing den gleichen Jobtitel verwenden.

Also bin ich jetzt Berater, Unternehmensberater.

Unternehmensberater hört sich gut, ist es auch, wenn man für eine große Unternehmensberatung arbeitet und Business Class durch die Welt jettet. Ich bin eine 1-Mann-Show, ich fliege Holzklasse – wenn ich dann mal einen Grund habe zu fliegen. Ansonsten Bahn und ÖPNV (hört sich besser an als Bus und Straßenbahn). Ich muss klinken putzen, um die Krümel, die die Fachabteilungen liegen lassen, aufzuheben. Beim Akquirieren gibt es noch nicht einmal die Spesen zurück. Und wenn ich dann mal ein Projekt ergattert habe, dann geht das Leben weiter. Zwar nicht in Saus und Braus, aber zumindest bleibt der Kopf über Wasser, wenn man hinreichend gut imprägniert ist.

Ich bin eine Beraterhure.

Ich bin nicht wählerisch bei den Projekten, Hauptsache ich kann etwas abrechnen. Wenn ich auf einem Projekt bin, sehe ich fast so aus, wie jeder andere Mitarbeiter des Unternehmens. Wenn da nicht das obligatorische Tragen des Besucherausweises wäre – für alle sichtbar. Diese Regel haben mittlerweile die meisten Unternehmen. So erkennen die Festangestellten, dass man ein Fremder ist, der womöglich irgendetwas klauen könnte. Das sichtbare Tragen von Besucherausweisen ist der moderne Davidsstern der Beraterbranche. (Ich bin über mich selbst überrascht, ein Nazi-Vergleich schon im ersten Blogeintrag!)

Ich schreibe diesen Blog, um mich selbst zu therapieren. Einen Coach kann ich mir nicht leisten, und für die Krankenkasse bin ich noch nicht meschugge genug.  Gleichzeitig erarbeite ich mir kleine Krücken als Beraterüberlebenshilfen, die ich mit anderen Kollegen teilen möchte. Es geht hierbei vor allem um die Geschäftsreisen und das Drumherum als Berater. Über Kundenakquise schreibe ich nicht. Wenn ich davon Ahnung hätte, würde ich Hallen füllen und nicht Blogs schreiben. Und mit Details meiner Arbeit will ich niemanden langweilen, das mute ich noch nicht einmal meiner Frau und unseren Hund zu.  Ich wünsche viel Mitleid und Vergnügen beim Lesen des Blogs.

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