Homepage Selbstversuch

Als Berater brauche ich eine Homepage im Internet.

Augenscheinlich gibt es keine nationale Unterversorgung mit Literatur zu diesem Thema. Ganze Bücher, ach was sage ich, Zugwagons voller Bücher sind geschrieben worden, um Personen von beliebiger Herkunft, Sprache,  Intelligenz und Geltungsdrang in die Kunst der Homepagegestaltung einzuführen. Tragischer Weise habe ich aber keins von diesen Meisterwerken gelesen, wenn man mal von einem durchblättern eines Buchs über HTML vor 20 Jahren absieht.

Normalerweise empfehle ich den Zielgruppen ambitionierte Hausfrau (Shop für selbstgemachte Filzpantoffeln), gescheiterte Konzernmanager (Beraterhomepage) und Kaninchenzüchter (Kaninchenzucht) sich in einem solchen Fall vertrauensvoll an die nächste Webdesignbude um die Ecke zu wenden, falls ich im unwahrscheinlichen Fall um Rat gebeten werden und Facebook nicht mehr reicht. Vorzugsweise sollten die Typen aus der Webdesignbude nicht in einem Loft hausen und auch nicht mit englischen Jobtiteln auf der Visitenkarte glänzen – denn dann wird’s teuer.

Doch dieses Wochenende war ich der Patient und mir war nach Homepage selbst erstellen! Ich war felsenfest davon überzeugt, dass das im 21-Jahrhundert irgendwie ohne Jodeldiplom gehen müsste. Schließlich bekomme ich eine PowerPoint-Präsentation auch einigermaßen hin – und die sogar mehrfarbig.

Also erstmal musste ich mir einen Namen für die Webseite ausdenken. Ich habe mich für http://www.MeineWebseite.biz entschieden – da war der Samstag schon mal futsch.  Das ist natürlich gelogen, meine Webseite heißt natürlich ganz anderes, aber ich will verhindern, nachdem ich hier dicke Lippe riskiere, dass zu viele Juroren auf meine kümmerliche Seite pilgern. Tatsächlich, zu dem Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, ist http://www.MeineWebseite.biz noch zu haben.

Ich ergoogelte mir eine Webregistrar namens Strato, bei dem ich diverse Namen durchspielte. Pünktlich zur Sportschau traf ich eine souveräne Entscheidung und registrierte das Ding dann doch nicht.

Tags drauf beschloss ich erst den Baukasten auszuwählen. Nachdem ich mir endlose Blogs von lieben Menschen und PR-Abteilungen, die Blogs von lieben Menschen faken, angeschaut hatte, war auf der Schlussgeraden Strato und Jimdo übriggeblieben. Bei Strato musste man mit einem Vertrag einsteigen, bei  Jimdo konnte man direkt herumspielen. Ich entschied mich für direkt herumspielen.

Zunächst malte ich mir meine Homepage mit Menüführung auf ein DIN-A4 Papier, damit ich irgendwie zielgerichtet spielen konnte. Ich wählte bei Jimdo irgendeine Vorlage aus und versuchte das System durch Veränderung zu verstehen. Ich wollte 5 Menüpunkte, wovon eines „Kontakt“ war und eines „Impressum“. Das ist wirklich nicht ehrgeizig. Jimdo ist so ein bisschen wie PowerPoint: Es gibt verschiedenen Objekte, die man einfügen kann. Ich versuchte es erstmal mit Textobjekten, klappte auf Anhieb. Dann habe ich mal ein Bild hochgeladen. Hey, klappte auch. Ich war angefixt von dem System und testete verschiedene Zeichensätze, Farben und Hintergründe.

Langsam nahm ich Fahrt auf. Mein erstes Miniprojekt war das Design eines Logos. Da bin ich vollkommen talentfrei und für einen Graphiker bin ich zu geizig. Meine Lösung: Den Namen etwas verhuschelt mit einem exotischen Zeichensatz zu schreiben. Die magische Google-Suchzeile für exotische Zeichensätze lautet „free fonts“

Ich habe mich für AddCityBoy entschieden, dass es von UrbanFonts kostenlos gibt. Also schrieb ich den Namen in Paint  gleich in der richtigen Farbe und speicherte das Logo als JPEG ab. Diese Datei lud ich dann in Jimdo als Logo hoch und das sah richtig Panne aus. Grund: Paint speichert das Logo mit weißem Hintergrund ab. Und jetzt hatte ich auf meiner Homepage diesen weißen Kasten hinter meinem Logo, während der Hintergrund ein sympathisches Foto war. Also zurück zu Paint und siehe da, da gibt es eine „Transparent“-Funktion. Ich das Logo wieder abgespeichert und hochgeladen und es funktionierte wieder nicht. Eine kurze Nachfrage bei Google gab die richtige Antwort: Microsoft hat die Programmierung der Transparent-Funktion versemmelt, Lunapic würde aber das Problem lösen, glücklicherweise für lau. Super, hat geklappt. Wenn man „Threshold“ ganz hoch setzt, dann wird das Logo auch gestochen scharf an den Rändern.

Langsam bekam ich Oberwasser. Ich wollte jetzt ein Minilogo designen, das man in der Browserzeile sieht, wenn man meine Seite aufruft. Ich entschied mich für den ersten Buchstaben des Namens wieder im AddCityBoy-Zeichensatz. Wieder mit Paint designt und in Jimdo hochgeladen. Leider stellt sich Jimdo hier quer, weil es eine Datei im 32×32 Format braucht, was immer das auch sein mag. Ich zur Abwechslung zu Bing und finde Favicon Generator. Jetzt weiß ich, dass diese kleinen Dinger Favicons heißen. Auf jeden Fall konvertierte der Kamerad meine Paint-Datei in ein zulässiges Format.

Jetzt versuchte ich mich an die Königsdisziplin: Video. Ich bescheinige mir selbst nur eingeschränkte Telegenität, aber darum ging es auch nicht. Ich wollte eine Powerpoint / Excel-Präsentation als Film erstellen. Das heißt, ich brauchte ein Tool, das meinen Bildschirm abfilmt während ich die Powerpoint- und Excel-Dateien vor meinem Bildschirm flimmern ließ. Gleichzeitig wollte ich dazu in das Mikrophon meines Laptops die Tonspur diese Films volllabern.

Hurra, eine solche Filmsoftware gibt es. Die Abteilung heißt Screencast und die Software, die ich mir wieder kostenlos heruntergeladen habe, heißt Camstudio. Den Film habe ich auf meiner Festplatte abgespeichert und anschließend in YouTube hochgeladen. Schließlich habe ich in Jimdo dieses Video eingebunden, man muss dazu nur noch den Link in YouTube angeben.

Berauscht von diesem Erfolg habe ich mein Jimdo-Konto von JimdoFree auf JimdoPro befördert, was mich jetzt 5 Euro im Monat kostet. Alles andere war bis dahin kostenlos. In einen Anfall von Größenwahnsinn und von der pathologischen Chance getrieben, endlich jemanden Abmahnen zu können, statt immer selbst abgemahnt zu werden, habe ich den Namen der Webseite gleich als Europäische Marke beim Europäischen Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (OAMI) angemeldet. Das kostet 900 Euro – das ist nicht nur Schutz, sondern das ultimative Statussymbol.

Was hier so flockenlocker beschrieben ist, ist keine Anleitung zum Bau einer Homepage, sondern ein Leidensweg! Es würde mein Selbstwertgefühl enorm steigern, wenn möglichst viele Leute meinen Weg für ihre eigene Homepage nachvollziehen würden und dabei jämmerlich scheitern.

Auf jeden Fall bin ich jetzt eine Beraterhure mit eigener Internetseite.

 

Links

Jimdo                                  http://www.Jimdo.com

Urbanfonts                        http://www.UrbanFonts.com

Lunapic                              http://www.Lunapic.com

Favicon Generator           http://www.Favicon-Generator.org

Camstudio                         http://www.Camstudio.org

OAMI                                  OAMI.Europa.eu

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